Was wartet auf dich?

Auf dieser Seite geben wir dir Einblick in unseren Entwicklungsprozess für Grosszelte am Beispiel des Berliners.

Achtung: Du wirst hier keine fertigen Baupläne eines Berliners mit 340 Blachen finden. Bei Grosszelten in dieser Grösse entstehen Kräfte, die die Bruchlasten von handelsüblichem Klettermaterial überschreiten und wir erachten es aufgrund dessen als zu gefährlich, Baupläne per Download allen Jugendverbänden zur Verfügung zu stellen. Du findest auf dieser Seite Baupläne von kleineren Zelten.

Zeitliche und personelle Ressourcen

Für die Entwicklung des Berliner-Modells kamen insgesamt über 300 Stunden zusammen – angefangen bei einem Brainstorming über mögliche Zeltformen bis zu den fertigen Bauplänen. Es hat sich bewährt, dass sich eine Person um die geometrische Grundfigur kümmert und sämtliche CAD-Zeichnungen macht, während eine andere Person die Modelle baut. Eine dritte Person hilft mit, Schwierigkeiten zu lösen und kontrolliert sämtliche Baupläne.

CAD-Zeichnungen und Modelle

Wir erstellen praktisch für all unsere Bauten CAD-Zeichnungen. Dafür verwenden wir Google Sketchup, welches gratis heruntergeladen werden kann. Wir fangen jeweils mit einer geometrischen Grundfigur an und, sobald die Geometrie stimmt, bauen wir das theoretische Modell aus und setzen Kanthölzer oder Rundhölzer ein.
Weiter haben wir während der Entwicklung des Berliners zwei Modelle erstellt – diese waren die Schlüssel zwischen theoretischem Modell und funktionierendem praktischen Aufbau. Anhand eines Modells kannst du den Auf- und Abbau sowie Details wie Abspannungen, Hilfspfosten, etc. viel besser diskutieren und planen. Ausserdem siehst du bereits, ob sich deine CAD-Zeichnung überhaupt als Modell aufbauen lässt. Falls das nicht funktioniert, wird es in Gross sowieso nicht klappen.

Berliner Modell

Zeltstatik und Membrane trennen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Pioniertechnik der letzten Jahre ist, die Zeltstatik und die Membrane (Hülle) klar zu trennen. Die Zeltstatik definieren wir mit Holz und Zurrgurten – dabei verwenden wir typischerweise Schäkel („Chueschnurre“) statt Karabiner, Krangurte (Struppen) anstelle von Kletterschlingen, Spansets ersetzen Seile und Ankerplatten ersetzen Heringe. Die Unterkonstruktion legen wir so aus, dass sie in sich tragend ist. Anschliessend legen wir eine Membrane – typischerweise aus Militärblachen – über diese Zeltkonstruktion. Die Membrane trägt nicht zur Zeltstatik bei und bei einem Unwetter (z.B. Sturm oder Orkan) reisst die Membrane, doch die Zeltkonstruktion bleibt stehen und zu keinem Zeitpunkt besteht Einsturzgefahr.

Beim Berliner haben wir die Zeltstatik folgendermassen realisiert:

Die vier Firste sind als Zugfirste aus Zurrgurten (Spanset) realisiert und verbinden jeweils einen Turmmast mit dem entsprechenden Aussenpfosten. Sämtliche Turmmasten sind auf derselben Höhe untereinander verbunden, und geben so ihre Kräfte an die Nachbarmasten weiter. Die Aussenpfosten sind dann jeweils mit einem Spanset nach aussen gespannt, sodass sich eine komplette Kraftkette ergibt, auch WLL-Kette genannt. Weiter setzen wir pro Zeltseite vier Spansets ein, die einerseits als zusätzliche Abspannungen für die Masten dienen und andererseits als Tragseile für die Membrane (Blachen) verwendet werden.

Abbildung 1: CAD-Zeichnung mit weiss eingezeichneter WLL-Kette sowie orange eingezeichneten Tragseilen für die Membrane (Blachen)

Baupläne

Für den Berliner haben wir folgende Baupläne erstellt:

  • Auf- und Abbauanleitung mit zeitlichen und personellen Ressourcen sowie Tageszielen.
  • Absteckungsplan mit Koordinaten sämtlicher Abspannpunkte.
  • Knüpfplan mit der Fliessrichtung des Wassers sowie der genauen Anzahl Blachen.
  • Konstruktionspläne für die Masten des Turmes sowie die Aussenpfosten mit allen Seilen.
  • Konstruktionspläne für die Plattformen des Turmes
  • Materialliste mit sämtlichem Holz-, Metall- sowie Seilbedarf.

Absteckplan

Knüpfplan

Mastkonstruktionsplan

Turmkonstruktionsplan

Verantwortungen und Rollen

Bei Grosszelten ist es essentiell, einen Aufbauleiter zu definieren, der sich während dem Aufbau nur um das Grosszelt kümmern muss. Das darf also keine Person sein, die in irgendeiner Form im OK oder in einem Ressort beim Anlass mithilft. Eine gut geplante Baute scheitert häufig im Detail, und solche Fehler lassen sich vermeiden, wenn du deine Aufmerksamkeit 100% auf die Baute richten kannst. Wenn du nebenbei noch Absprachen mit dem Landbesitzer machen oder Schrauben kaufen musst, ist deine Aufmerksamkeit nicht 100% bei der Baute.