Die Verankerung von Seilen im Boden ist wohl die meist unterschätzte Gefahr vieler Leitenden. Häufig werden gute Überlegungen betreffend der Auswahl der Seile gemacht, doch der Verankerung wird häufig viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Zum Vergleich: Ein Erdanker, wie im Bild gezeigt, hält bei gutem, festem, kiesigen Boden rund 200 bis 300kg Belastung aus! Da kannst du noch lange Seile mit 3000kg Bruchlast kaufen, wenn dir nach 300kg Belastung der Erdanker um die Ohren fliegt oder der Mast umfällt..

Ungewisse Bodenverhältnisse machen es aussergewöhnlich schwer, die Ankertragfähigkeit exakt zu bestimmen und zu berechnen. Die nachstehende Näherungsmethode liefert dir eine Einschätzung der Tragfähigkeit. Outdoorsolutions empfiehlt zwingend eine genauste Betrachtung der Belastung am Aufstellort und im Zweifelsfall eine Probebelastung! Sehr kritisch sind unter anderem Böden mit frischen Aufschüttungen, Torf, Humus, Faulschlamm, Sumpf, Lehm, Ton, Schnee, und so weiter.

Konstruktion eines Erdankers

Typischerweise verwendest du für einen Erdanker einen Armierungsstahl zwischen 25 und 30mm Durchmesser. Als Gesamtlänge empfehlen wir 100cm – dann passen sie noch in einen Palletrahmen -, wovon du 80cm eintreiben solltest. Am unteren Ende kann der Erdanker angespitzt werden, um das Eintreiben zu erleichtern. Sehr wichtig ist es, am oberen Ende des Erdankers ein Element einzubauen, dass ein Wegrutschen des Seiles verhindert. Das geht beispielsweise mit einem T-Stück (wie in den Bildern gezeigt) oder durch eine Schlaufe, wie sie bei Hängematte-Vorrichtungen üblich ist.

Erfahrungswerte aus der Praxis

Unsere Erfahrung zeigt: Bei gutem, festem, kiesigem Boden erreichen Erdanker, wie im Bild gezeigt, rund 200 bis 300kg Belastung. Wir hatten auch schon Erdanker, die nach 100kg Belastung bereits aus dem Boden gezogen wurden.

 

Berechnung der Tragfähigkeit von Stabankern nach EN 13782

Legende:

Zd Bemessungswert der Ankertragfähigkeit, in N
Zh,d Bemessungswert der horizontalen Ankertragfähigkeit, in N
Zv,d Bemessungswert der vertikalen Ankertragfähigkeit, in N
d Ankerdurchmesser, in cm
l’ Einschlagtiefe, in cm
alpha Einschlagwinkel
beta Winkel der wirkenden Zugkraft zur Vertikalen

Notizen zu den Winkeln
Erfahrungsgemäss erreichen schräg belastete Erdanker bei rechtwinkligem Einschlagwinkel (wie in der Grafik gezeigt) die maximale Tragfähigkeit. Wir empfehlen auf jeden Fall, den Anker so weit vom Mast zu entfernen, dass Beta grösser 45° wird. Dadurch wird auch der Mast viel einfacher aufzustellen, da ihr weniger Kraft benötigt.

Berechnung der Ankertragfähigkeit in mindestens halbfesten bis steifig bindenden Böden

Die Ankertragfähigkeit für Stabanker mit einer Mindesteinschlagtiefe von 80cm in mindestens halbfesten bis steifig bindenden Böden [Link Wikipedia] kann für beta grösser 45° mit folgender Formel berechnet werden:

Zd = 8.3 * d* l’

Für einen Erdanker mit einer Einschlagtiefe von 80cm und einer Dicke von 2.5cm erhältst du somit einen Wert Zd von 8.3 * 80 * 2.5 = 1660N, was rund 169kg entspricht.

! Achtung Bodenbeschaffenheit: Diese Formel gilt nicht bei aufgeschüttetem Boden, Torfboden, Humus, Faulschlamm, sehr lehmigem/tonhaltigem Boden, Schnee, und so weiter. Falls du dir unsicher bist, welche Bodenart bei deinem Aufstellort vorliegt, empfiehlt Outdoorsolutions zwingend eine genauste Betrachtung der Bodenbeschaffenheit am Aufstellort und im Zweifelsfall eine Probebelastung!

Probebelastung am Aufstellort

Bei unsicherer Bodenbeschaffenheit empfiehlt Outdoorsolutions zwingend eine genauste Betrachtung der Bodenbeschaffenheit am Aufstellort und im Zweifelsfall eine Probebelastung.

Für die Probebelastung benötigst du nebst Erdankern auch ein Kraftmessgerät und entsprechend weiteres Versuchsmaterial. Eine Probebelastung muss aus mindestens drei Versuchen bestehen. Anschliessend nimmst du den niedrigsten Wert der Probebelastung und berechnest die Ankertragfähigkeit nach folgender Formel:

Zd = Zu/1.92

Legende:

Zd Bemessungswert der Ankertragfähigkeit, in N
Zu Niedrigster Wert der Probebelastungen, in N

 

Einsatz mehrerer Erdanker

Das Einschlagen von weiteren Erdankern hinter dem ersten Erdanker und eine Verbindung mit einem Seil/Spanset hilft, die Tragfähigkeit massiv zu erhöhen. Nutze das Hebelgesetz aus, um möglichst effiziente Belastungen zu erreichen!

Wichtig ist, die einzelnen Erdanker genügend weit voneinander zu entfernen – mindestens den 5-fachen Stabdurchmesser. Bei 2.5cm Durchmesser brauchst du somit einen Abstand von mindestens 12.5cm.

 

Wartung

Wichtig ist es, die Erdanker regelmässig zu überprüfen. Dabei ist insbesondere eine Verschiebung des Erdankers zu beachten. Sobald sich der Erdanker um 2cm verschoben hat, ist die Tragfähigkeit nicht mehr vollständig sichergestellt. In diesem Falle empfehlen wir entweder den Einsatz mehrerer Erdanker oder das Eintreiben von Holzkeilen.

Weiter soll das Eindringen von Oberflächenwasser (z.B. durch Regen) verhindert werden. Das ist beispielsweise möglich mit einer Blache, die du während Regen über den Erdanker legst. Natürlich solltest du in der Nähe von Erdankern keine Schlammlöcher oder andere Wasserquellen haben/bauen.

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